Die Pforte zur Stille

Die Pforte

LEONARD JAN WIT

Ergänzende Informationen vorab.

Bei Meditation und Entspannung spielt die Atmung eine wichtige Rolle. Mit einer schnellen und hohen Atmung ist es schwierig, sich zu entspannen. Eine normale, gesunde Atemfrequenz liegt bei sechs bis sieben Mal in der Minute. Nicht zu tief ein und nicht zu lange aus, einfach entspannt atmen mit einer kurzen Pause von einer Sekunde vor der nächsten Einatmung.
Bei einer Tiefen entspannung, wie in der nachfolgenden Übung, ist eine Atemfrequenz von zwei bis drei Mal in der Minute eine gute Orientierung.

Ein Tipp vorweg

Ich nenne diese Technik für mich selbst immer die ‚Membran-Übung‘.
Während dieser Meditation kannst Du Dir vorstellen, dass Du durch einen Membran atmest. Wenn Du zu schnell oder zu stark atmest, beschädigst Du die Membran. Die Kunst besteht darin, so sanft wie möglich zu atmen, sodass Du die Luft nicht spürst. Weder beim Einatmen noch beim Ausatmen.
Diese Übung bringt Deine Atmung relativ schnell in einen ruhigen Rhythmus.

Setze Dich bequem hin.

Atme ein paar Mal tief ein. Atme tief in Deinen Bauch, damit Du spürst, dass in Deinem Bauch und Becken Platz geschaffen wird.

Lasse den Atem etwas schneller aus Dir heraus fließen.

Warte nicht zu lange und atme wieder tief in Deinen Bauch.

Atme so mindestens zehn Mal, aber nicht mehr als 25 Mal. Der Sauerstoffgehalt in Deinem Körper erhöht sich, und das kann zu Reizungen führen. Zusätzlicher Sauerstoff in Deinen Zellen ist gesund.

Halte Deinen Atem bei der letzten Ausatmung an. Mache eine Minute lang oder, wenn Du kannst, etwas länger eine Atempause ohne Sauerstoff in Deinen Lungen. Aber erzwinge nichts. Wenn Du spürst, dass Du atmen musst, solltest Du das unbedingt tun. Aber atme die ganze Zeit sanft ein und aus.

Stelle Dir jetzt vor, dass sich eine Membran in Deiner Nase befindet, ein dünnes Häutchen, durch das Du atmest.

Atme sanft ein, so sanft wie möglich.

Atme sanft aus, so sanft wie möglich.

Tu dies bewusst, mit all der Aufmerksamkeit und Präsenz, die Du in Dir hast.

Es gibt nur den sanften Atem, ein und aus. Durch Deine Nase, durch die zarte Membran. Atme wie das sich sanft wellende Wasser des Meeres.

Nimm die spontane Pause zwischen Deiner Ein- und Ausatmung bewusst wahr. Nimm die Stille zwischen Deinen Atemzügen bewusst wahr. Nimm die Bewegungslosigkeit zwischen Deiner Ein- und Ausatmung bewusst wahr.

Du kannst nun versuchen, die Pause etwas länger werden zu lassen und ihr etwas mehr Raum zu geben.

Nach jeder Ausatmung gibst Du der Pause, der Stille mehr Raum, sie wird langsam größer und tiefer. Und wird Deine Einatmung wird noch sanfter.

Lasse diesen Raum so groß und so offen wie möglich werden.

Atme sanft in den Raum.
Atme mit voller Aufmerksamkeit in die Stille.
Lasse Dich selbst in diese Stille fallen.
Gib Dich dieser Stille hin.
Tauche ganz in diese Stille ein.
Atme die Stille ein.
Atme die Stille aus.
Fülle Dich selbst mit dieser Stille.
Spüre die Stille in jeder Zelle Deines Körpers.

Du bist nach Hause gekommen.
Du bist im Herzen Deines Seins.

Bleibe dort.

Wenn es Dir hilft

Achte darauf, dass Du diese Übung nicht mit Willenskraft machst. Führe die Übung eher aus Hingabe durch. Suche in Dir selbst das Gleichgewicht zwischen Tun und Nicht-Tun. Also zwischen: mit Deinem Willen etwas zustande zu bringen und Dich dem hinzugeben, was gerade geschieht. Versuche, nicht zu sehr die Führung zu übernehmen, sondern lasse Dich von Deiner Atmung leiten ‒ natürlich, sanft, offen und aufmerksam.

Solltest Du während der Übung zu wenig Luft haben, dann atme einfach einige Male tief ein und kehre danach zur sanften Membran-Atmung zurück.

Falls Gedanken in Dir hochkommen, lenke die Aufmerksamkeit wieder zur Atmung zurück. Oft ist nur ein klein wenig mehr Energie notwendig, um die Aufmerksamkeit bei Deinem Atem zu halten.